Rund 70.000 Verbraucherinsolvenzverfahren registrieren die deutschen Amtsgerichte Jahr für Jahr. Für die betroffenen Schuldner endet das eigentliche Insolvenzverfahren meist nach wenigen Monaten – der Weg zur Restschuldbefreiung führt danach durch die sogenannte Wohlverhaltensphase. In dieser Zeit steht eine Figur im Mittelpunkt, die häufig mit dem Insolvenzverwalter verwechselt wird: der Treuhänder nach den §§ 292 ff. der Insolvenzordnung (InsO). Seine Aufgaben sind eng umrissen, aber für Schuldner wie Gläubiger von erheblicher praktischer Bedeutung.

Wo der Treuhänder ins Spiel kommt

Die Verbraucherinsolvenz gliedert sich in zwei Phasen: das eröffnete Insolvenzverfahren, in dem ein Insolvenzverwalter das pfändbare Vermögen des Schuldners verwertet, und die anschließende Abtretungsfrist – umgangssprachlich Wohlverhaltensphase –, die insgesamt drei Jahre ab Verfahrenseröffnung dauert. Mit der Aufhebung des Insolvenzverfahrens endet das Amt des Verwalters, und der vom Gericht bestimmte Treuhänder übernimmt. Wie das Verfahren insgesamt abläuft, zeigt unser Überblick zum Ablauf des Insolvenzverfahrens von Antrag bis Aufhebung.

Eine Hand legt einen Briefumschlag in ein Fach eines Postsortierregals im Büro.
Regelmäßige Berichte an das Insolvenzgericht gehören zu den zentralen Pflichten des Treuhänders. Foto: RTB

Bestellung und Rechtsstellung

Der Treuhänder wird im Beschluss über die Ankündigung der Restschuldbefreiung benannt; in der Praxis bestellen die Gerichte regelmäßig die Person, die zuvor als Insolvenzverwalter tätig war. Seine Rechtsstellung regelt § 292 InsO: Er ist kein Vertreter des Schuldners und kein Anwalt der Gläubiger, sondern ein neutrales, gerichtlich überwachtes Amt. Anders als der Insolvenzverwalter verwaltet er nicht das gesamte Vermögen des Schuldners – sein Zugriff beschränkt sich auf die Bezüge, die der Schuldner mit der Abtretungserklärung nach § 287 Abs. 2 InsO an ihn abgetreten hat.

Kernaufgabe: Einzug des abgetretenen Einkommens

Herzstück der Treuhändertätigkeit ist der Einzug des pfändbaren Teils der laufenden Bezüge. Der Arbeitgeber des Schuldners führt den pfändbaren Anteil des Nettoeinkommens direkt an den Treuhänder ab; maßgeblich sind die Pfändungsfreigrenzen der Zivilprozessordnung, die regelmäßig angepasst werden. Der Treuhänder hat die eingehenden Beträge von seinem eigenen Vermögen getrennt zu halten – ein klassisches Treuhandkonto-Prinzip. Daneben nimmt er Zahlungen entgegen, die der Schuldner aus Obliegenheiten schuldet, etwa die Hälfte einer während der Wohlverhaltensphase angefallenen Erbschaft.

„Der Treuhänder ist die Durchleitungsstelle zwischen Schuldner und Gläubigern – nicht mehr, aber auch nicht weniger.“

Verteilung an die Gläubiger

Einmal jährlich verteilt der Treuhänder die eingegangenen Beträge an die Insolvenzgläubiger, die ihre Forderungen zur Tabelle angemeldet haben. Die Reihenfolge ist gesetzlich vorgegeben:

  1. Zunächst werden die Kosten des Verfahrens gedeckt, soweit sie gestundet wurden,
  2. anschließend die Vergütung und Auslagen des Treuhänders beglichen,
  3. der verbleibende Betrag wird quotal – also im Verhältnis der festgestellten Forderungen – an die Gläubiger ausgekehrt.

Neue Gläubiger, deren Forderungen erst nach Verfahrenseröffnung entstanden sind, gehen bei dieser Verteilung leer aus; sie sind von der späteren Restschuldbefreiung allerdings auch nicht betroffen.

Berichtspflichten und Vergütung

Der Treuhänder untersteht der Aufsicht des Insolvenzgerichts und muss jährlich Rechnung legen: über eingegangene Beträge, Verteilungen und den Stand des Verfahrens. Gläubiger können auf Antrag zudem verlangen, dass der Treuhänder die Erfüllung der Obliegenheiten des Schuldners überwacht – das geschieht allerdings nur, wenn sie die zusätzliche Vergütung dafür vorschießen. Die Vergütung selbst richtet sich nach den §§ 14 bis 16 der Insolvenzrechtlichen Vergütungsverordnung (InsVV): Grundsatz sind fünf Prozent der Beträge, die beim Treuhänder eingehen, mindestens jedoch 140 Euro für jedes Jahr der Abtretungsfrist. Gehen keine Zahlungen ein, muss der Schuldner die Mindestvergütung aufbringen oder Stundung beantragen – sonst droht die Versagung der Restschuldbefreiung nach § 298 InsO.

Abgrenzung zum Insolvenzverwalter

Insolvenzverwalter und Treuhänder werden im Alltag oft synonym verwendet, ihre Befugnisse unterscheiden sich jedoch deutlich:

KriteriumInsolvenzverwalterTreuhänder (§§ 292 ff. InsO)
PhaseEröffnetes InsolvenzverfahrenWohlverhaltensphase
ZugriffGesamtes pfändbares Vermögen (Insolvenzmasse)Nur abgetretene Bezüge und Obliegenheitszahlungen
VerwertungVerwertet Vermögensgegenstände aktivKeine eigene Verwertungsbefugnis
AnfechtungKann Rechtshandlungen anfechtenKeine Anfechtungsbefugnis

Schnittstelle zur Verwertung von Vermögen

Vermögensgegenstände wie Fahrzeuge, Lebensversicherungen oder Immobilienanteile werden grundsätzlich noch im eröffneten Verfahren durch den Insolvenzverwalter verwertet. In der Praxis kommt es aber vor, dass Verwertungen in die Wohlverhaltensphase hineinreichen oder der Schuldner erst später Vermögen erwirbt, das er anteilig herauszugeben hat. Für die technische Abwicklung solcher Erlöse greifen Verwalter und Treuhänder häufig auf spezialisierte Dienstleister wie die Quentin Treuhand GmbH zurück, die die getrennte, nachvollziehbare Vereinnahmung der Erlöse über gesonderte Treuhandkonten sicherstellen. Für den Schuldner zählt am Ende vor allem eines: Nach drei Jahren ordnungsgemäßer Mitwirkung steht die Restschuldbefreiung – und damit der wirtschaftliche Neustart.